Raum 5 | 258
Station 9
Nun hören Sie etwas zum Sonder-Kommando Kütter.
Das ist die nächste Wand.
Das Sonder-Kommando Kütter.
Zwangs-Arbeiterinnen und Zwangs-Arbeiter:
Ihre Verfolgung und Ermordung in Köln.
Am 21. September 1944 wurde ein Versteck in Köln-Lindenthal entdeckt.
Im Versteck waren Zwangs-Arbeiterinnen und Zwangs-Arbeiter.
Sie hatten sich dort vor den Nazis versteckt.
Weil sie Angst hatten, dass die Nazis sie ermorden.
Das Sonder-Kommando Kütter hat das Versteck entdeckt.
Es verhaftete fünfunddreizig (35)
Zwangs-Arbeiterinnen und Zwangs-Arbeiter.
Sie wurden alle ermordet.
Das Sonder-Kommando erhängte die Zwangs-Arbeiterinnen und Zwangs-Arbeiter.
Das war mitten in Köln.
Dafür wurden Plakate in der Stadt aufgehangen.
Die Plakate informierten über die geplante Erhängung.
Das Sonder-Kommando wollte Zuschauer bei der Erhängung.
Wissen Sie was eine historische Quelle ist?
Eine historische Quelle kann ein beschriebenes Blatt Papier sein.
Wichtig ist:
Durch die Quelle lernen wir etwas über die Vergangenheit.
Schauen Sie auf den kleinen Tisch vor Ihnen.
Dort ist ein Dokument aufgedruckt.
Das Dokument ist für uns eine historische Quelle.
Wir haben uns das Dokument angeschaut und gefragt:
Was finden wir daran schwer?
Was finden wir daran spannend?
Das haben wir dabei herausgefunden:
Das Dokument ist schwer zu entziffern.
Es wurde mit einer alten Schreibmaschine geschrieben.
Und das Blatt ist vergilbt.
Es wurden schwere Wörter verwendet.
Die Wörter sind lang.
Die Wörter sind Nazi-Sprache.
Für uns bedeutet das: Die Wörter sagen nicht, was sie meinen.
Zum Beispiel:
Auf dem Dokument steht „Entlassungs-Gesuch“.
Aber die Menschen auf der Liste wurden nicht entlassen.
Sie wurden ermordet.
Auf dem Dokument steht „Ost-Arbeiter“.
Aber es waren Zwangs-Arbeiter aus den Ländern östlich von Deutschland.
Zum Beispiel: Ukraine oder Polen.
Auf dem Dokument sehen wir eine Liste.
Die Liste enthält: 6 Vor- und Nachnamen mit Geburtsdaten und Geburtsorten.
Daher wissen wir: Es waren 6 junge Männer.
Sie waren alle ungefähr 20 bis 22 Jahre alt.
Einige hatten kurz vor Ihrer Ermordung Geburtstag.
Das Dokument hat einen Briefkopf mit Datum und eine Unterschrift.
Deswegen wirkt es sehr wichtig und offiziell.
Aber es wurde erst um 22 Uhr in der Nacht verfasst.
Das war nur wenige Stunden vor der Ermordung der Männer.
Für uns passt das nicht zusammen.
Was finden Sie an dem Dokument schwer oder spannend?
Nationalkomitee Freies Deutschland
Das Nationalkomitee Freies Deutschland war eine Gruppe von Menschen.
Nationalkomitee Freies Deutschland ist der lange Name.
Die Abkürzung lautet: NKFD.
Das NKFD machte Widerstand gegen die Nazis.
Wir nennen das heute: Widerstands-Kämpfer.
1944 war es die größte Widerstands-Gruppe in Köln.
Circa 200 Menschen gehörten zu der Gruppe.
Die Gruppe wurde von Kommunisten gegründet und geleitet.
Am 24. November 1944 stürmten Männer des Sonder-Kommandos Kütter das Haus der Familie Humbach.
Weil das Haus der Familie Humbach ein Treffpunkt des NKFD war.
Die Familie war auch im Widerstand.
Sehr viele Widerstands-Kämpfer wurden festgenommen.
Sie wurden nach Brauweiler gebracht.
Welchen Widerstand machte das NKFD?
Die Widerstands-Gruppe machte folgenden Widerstand:
- Flugblätter gegen die Nazis schreiben und verteilen.
Flugblätter sind wie Flyer. - Menschen vor den Nazis verstecken.
Das NKFD versteckte Alice und Ilse Neugebauer.
Wer war Alice und Ilse Neugebauer?
1897 wurde Alice in Sankt Wendel in Deutschland geboren.
Später heiratete sie Ihren Mann Max.
Sie lebten in Köln.
Und bekamen eine Tochter: Ilse.
Alice war Jüdin.
Ihre Tochter Ilse war auch Jüdin.
Max war kein Jude.
Die Nazis nannten diese Ehe: Misch-Ehe.
Das bedeutete:
Ein Ehepartner war jüdisch.
Ein Ehepartner war nicht jüdisch.
Max konnte Alice ein wenig beschützen.
Dieser Schutz bedeutete:
Alice hatte wenig Freiheiten.
Aber mehr Freiheiten als andere Juden.
Alice stand erst spät auf einer Deportations-Liste.
Doch 1944 erhielt auch Alice einen Deportations-Bescheid.
Auch Ilse sollte deportiert werden.
Deportation bedeutet:
Gegen den eigenen Willen weggebracht.
Alice und Ilse wollten nicht deportiert werden.
Deswegen suchten sie sich ein Versteck.
Sie versteckten sich im Haus der Familie Humbach.
Die Familie Humbach half Alice und Ilse.
Damit brachte sich die Familie in Gefahr.
Es war verboten:
Juden zu verstecken.
Für die Nazis galt dies als Widerstand.
Und Widerstand wurde bestraft.
Die Nazis entdeckten das Versteck.
Alice und Ilse wurden verhaftet.
Aber beide haben die Nazi-Zeit überlebt.
Ilse war noch lange politisch aktiv.
Sie starb 2019 in Brühl.
Sie erhalten in dem kleinen blauen Buch auf dem Tisch vor Ihnen mehr Informationen zu Alice und Ilse Neugebauer.
Der Rundgang endet hier.
Vielen Dank, dass Sie sich den inklusiven Rundgang angehört haben.
Der inklusive Rundgang wurde 2024 in einem Projekt der Gedenkstätte Brauweiler des LVR zusammen mit zwei Schulklassen erarbeitet.
Die Schulklassen waren die Oberstufen der Förderschule Jahnstraße und der LVR-Donatusschule aus Brauweiler.
Die Projektleitung hatte Isabel Gennen-Mücke.
Für die Gedenkstätte waren dabei:
Anja Abels
Isabel Gennen-Mücke
Sofia, Marcel und Markus Thulin
Ana Baldivieso
Simon Molitor
Jessica Rook
Richard Irmler
Paula Schaab
Für die Förderschule Jahnstraße waren dabei
Finn
Fynn
Jaron
Luca
Radek
Silas
Svenja
Timo
Und als Begleitpersonen waren dabei:
Herr Dienst
Herr Jenckel
Frau Schade
Frau Scherer
Für die LVR-Donatusschule waren dabei:
Aleyna
Cara Mia
Florian
Ilias
Jonah
Kay
Kimi
Leon
Max
Thery
Und als Begleitpersonen waren dabei:
Frau Bauer
Herr Billard
Frau Gaßmann
Frau Schwiedessen
Wir bedanken uns bei der Beauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur und der NRW-Bank für die Finanzierung dieses Projektes. Simone Fass danken wir für die Erstellung der Piktogramme.
Auf Wiedersehen.
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